Der Gletscherschwund auf Island

Auf Island liegt der größte Gletscher Europas: der Vatnajökull. Doch die Zeiten sind hart für ewiges Eis: seit etwa 200 Jahren befindet sich der Gletscher auf dem Rückzug, und das Tempo nimmt dabei in den letzten Jahren zu. Dabei sind die Ursachen auf Island vielfältig: zur Erderwärmung kommt hier auch noch die vulkanische Aktivität, Direkt unter dem Vatnajökull liegt eines der aktivsten Vulkansysteme der Erde: die Katla. Die durch sie hervorgerufenen Schmelzwassersströme, die zum Teil unterirdisch unter der Eisoberfläche abflossen, formten die Landschaft; unter anderem sind die berühmten Klippen von Asbyrgi durch solche Schmelzwasserströme entstanden.

 

 

 

 

 

 

2014                                                  2016                                                  2018

Zwischen diesen Aufnahmen des Svinafell-Gletschers beziehungsweise seiner Zunge liegen gerade einmal vier Jahre. Der markante Stein am linken Bildrand verdeutlicht die Veränderungen und praktisch identische Aufnahmeposition der Bilder. Der Rückgang der Gletscherzunge ist unschwer zu erkennen. Kurz nach der Aufnahme 2016 kam es zu einem Ausbruch der Katla; dieser erklärt sicher den deutlich stärkeren Schwund zwischen 2016 und 2018 gegenüber den beiden Vorjahren; nichtsdestotrotz bleibt die Tatsache bestehen, daß auch auf Island die Gletscher schmelzen.

 

2014                                                                                          2018

Diese beiden Aufnahmen zeigen, daß nicht nur die Breite der Zunge an ihrem Ende im kleinen Gletschersee abnimmt, sondern auch die Mächtigkeit des Eises zurückgeht.

Für den Tourismus hat dies zum Teil positive Auswirkungen, so unlogisch das auf den ersten Blick erscheinen mag. Durch den Rückgang der Gletscherzungen sind teilweise die Gletscherseen an deren Ende relativ größer geworden, so daß es sich nunmehr lohnt, auf ihnen mit Booten die Touristen zu einzelnen schwimmenden Eisbergen zu fahren; Vorbild ist hier der berühmte Jökulsarlon.

Dieser Gletschersee wurde 2014 aufgenommen, er liegt westlich des Jökulsarlon. Mittlerweile ist er für Zodiac-Boote erschlossen, nachdem er seine Fläche in etwa verdreifacht hat. Auf dieser Aufnahme ist unschwer zu erkennen, daß es sich damals wohl kaum gelohnt hätte, ein Boot zu Wasser zu lassen. Am Jökulsarlon hingegen fahren zwar mehr Boote als vor vier Jahren, aber dafür weniger Eisberge. Sie erinnern sich an James Bond und Lara Croft (2001), als diese Filme auf dem Gletschersee gedreht wurden? Gut, 2014 konnte man die Ähnlichkeit noch erkennen, 2018 wären diese Kameraeinstellungen kaum möglich gewesen:

2014                                                                  2018

Noch 2014 war die Abbruchkante des Gletschers von der Straße aus kaum sichtbar, ließ sie sich 2018 mit dem Teleobjektiv ohne großen Fußmarsch ablichten.

2014                                                                                       2018

Auch der Blick quer über die berühmte Lagune zeigt, trotz der unterschiedlichen Wetterverhältnisse: es schwimmt weniger Eis auf dem See.

Insgesamt boomt ja der Tourismus auf Island, insbesondere der Süden ist mittlerweile durchaus als überlaufen zu bezeichnen, zumindest zur Hauptsaison Juli/August platzt der Flugplatz auf Keflavik aus allen Nähten. Die berühmtesten Sehenswürdigkeiten, zu denen eben auch der Jökulsarlon zählt, sind völlig überfüllt. Während man 2014 in den Abendstunden oder früh am morgen die Ruhe und den Anblick fast allein genießen konnte, herrscht nun gefühlt Dauerbetrieb. Das wird erst dann wieder abnehmen, wenn die Attraktion, die schwimmenden, glitzernden Eisberge, soweit abgenommen hat, daß es keinen mehr vom Hocker reißt. Wenn der Klimawandel so weitergeht und vielleicht noch weitere Vulkanaktivitäten dazu kommen, könnte das schon bald der Fall sein.

 

 

 

 

 

 

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